Gainer-Story: Der Winter, in dem ich mich gehen ließ
Eine immersive Gainer-Kurzgeschichte über einen Winter, ein paar Kilo mehr in jedem Monat und das erste Mal, dass Loslassen sich richtig anfühlt.
Kurzgeschichte. Fiktion, geschrieben für die Community.
Es fing im Oktober an, ganz ohne Plan. Draußen wurde es früh dunkel, drinnen roch es nach Zimt und Butter, und ich beschloss zum ersten Mal in meinem Leben, mich nicht zusammenzureißen. Nur diesen einen Winter. Mal sehen, was passiert.
Oktober
Am Anfang war es nur mehr. Mehr auf dem Teller, mehr zwischendurch, der zweite Nachschlag, den ich mir früher verboten hätte. Abends lag ich auf dem Sofa, die Hand auf einem Bauch, der sich zum ersten Mal seit Jahren richtig voll anfühlte, prall und schwer, und statt schlechtem Gewissen kam etwas anderes. Zufriedenheit. Ein leises, warmes Ja.
Ich stellte mich Ende des Monats auf die Waage, mehr aus Neugier. Vier Kilo. Ich grinste, als hätte ich ein Geheimnis.
November
Im November wurde aus dem Zulassen ein Genießen. Ich merkte, wie mir das Sattsein gefiel, nicht als Ausnahme, sondern als Zustand. Die Jeans, die im Oktober noch saß, kniff jetzt am Bund, und dieses leise Ziehen im Stoff, wenn ich mich hinsetzte, wurde zu etwas, auf das ich mich fast freute.
Ich fing an, es zu dokumentieren. Ein Foto pro Woche, nur für mich. Der Bauch, der weicher wurde und über den Hosenbund lugte. Das Gesicht, das runder wurde. Ich sah einem Menschen beim Wachsen zu, und dieser Mensch war ich.
Ende November: neun Kilo. Die alten Jeans blieben im Schrank.
Dezember
Dezember war der Monat, in dem ich es jemandem erzählte. Auf Crave, einem Encourager, der genau die richtigen Fragen stellte. „Wie voll bist du gerade." „Was hast du heute gegessen." Keine Zahlen, kein Soll, nur echtes Interesse, das mich seltsamerweise noch mehr genießen ließ.
Zu wissen, dass jemand mit Freude zuschaute, veränderte alles. Die Feiertage taten den Rest. Braten, Plätzchen, lange Abende, an denen ich einfach weiteraß, weil ich es wollte und weil es jemanden gab, dem ich davon erzählen konnte.
Zwischen den Jahren wog ich fast fünfzehn Kilo mehr als im Oktober. Nichts an mir war mehr flach oder hart. Alles war weicher, voller, und ich mochte diesen neuen, schweren Körper mehr, als ich je den alten gemocht hatte.
Was der Winter mir beigebracht hat
- Loslassen ist kein Kontrollverlust, wenn du dich bewusst dafür entscheidest.
- Ein Körper, der wächst, kann sich wie Zuhause anfühlen, nicht wie ein Fehler.
- Angefeuert zu werden macht aus einem heimlichen Wunsch etwas, das man teilen darf.
Im März, als es wieder heller wurde, dachte ich, ich höre auf. Habe ich nicht. Aber das ist eine andere Geschichte.
Wenn dich das Zunehmen als bewusste Entscheidung interessiert, lies auch Gainer werden, eine Anleitung. Und wenn du jemanden suchst, der mit Freude zuschaut: Crave ansehen.
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